Newsletter 20.September 2010

Bern, 20. September 2010

Medienmitteilung

 

Kein "Wind-Wildwest" im Kanton Bern

 

 

Die FDP hat im Grossen Rat eine Motion eingereicht, die einen kantonalen Windrichtplan fordert. Mit dem neuen Planungsinstrument wollen die Freisinnigen ein „Wind-Wildwest“ verhindern. Die Motion ist bereits der zweite FDP-Vorstoss zur Förderung von neuen erneuerbaren Energien im laufenden Jahr. In der Juni-Session hatten die Freisinnigen ein Postulat zum Thema „Tiefe Geothermie im Kanton Bern“ eingereicht.

 

 

 

In einer FDP-Motion wird der Regierungsrat aufgefordert, einen zusammen mit den Nachbarkantonen abgestimmten kantonalen Windrichtplan zu erarbeiten, der die für die Windnutzung geeigneten, mit den Anliegen von Natur- und Landschaftsschutz vereinbaren sowie strassen- und leitungsmässig erschlossenen Gebiete bezeichnet, in denen die Errichtung von Windturbinen zulässig ist.

 

Im Kanton Bern habe die Windenergie mit dem seit 1995 sukzessive entwickelten Windpark auf den Jurahöhen eine geordnete, mit den Anwohnern, Landwirten, Behörden sowie Umwelt- und Landschaftsschutzorganisationen einvernehmlich abgestimmte Entwicklung genommen, führt die FDP in der Begründung auf. In fünf Etappen sei dieses Windkraftwerk ohne Opposition von drei auf sechszehn Windturbinen ausgebaut worden. Grundlage dafür sei unter anderem die als schweizerische Neuheit erarbeitete regionale Windrichtplanung im Vallon de St-Imier. „Seit der Einführung der Kostendeckenden Einspeisevergütung des Bundes (KEV) ist nun aber ein regelrechter Ansturm auf Windkraft-Standorte entstanden, welcher zu einer für alle Beteiligten unbefriedigenden Situation führt.

 

An die Stelle der bisherigen sukzessiven, von der Bevölkerung und den Behörden mitgetragenen Entwicklung trat ein regelrechtes „Wildwest“ mit Windturbinen.“, beschreibt FDP-Präsident Peter Flück die Situation. Investoren aus der ganzen Schweiz und dem Ausland seien auf den Plan getreten und hätten sich mit finanziellen Direktangeboten an Grundeigentümer überboten. Landschaftsintegration und Akzeptanz hätten dem Streben nach schnellen Vertragsabschlüssen weichen müssen.

 

Ziel sei die möglichst schnelle Besetzung von Standorten beziehungsweise die möglichst rasche Sicherung von Bundessubventionen gewesen. Mit einem kantonalen Windrichtplan wollen die Freisinnigen diesem „Wind-Wildwest“ nun ein Ende setzen.

 

Die Motion ist bereits der zweite FDP-Vorstoss zur Förderung von neuen erneuerbaren Energien. Bereits in der Juni-Session hatten die Freisinnigen ein Postulat zum Thema „Tiefe Geothermie im Kanton Bern“ eingereicht. Darin verlangte die FDP einen Bericht über das Potenzial von tiefer Geothermie im Kanton Bern, mögliche Bohrstandorte, die rechtlichen Grundlagen sowie mögliche Tätigkeitsfelder und Unterstützungspotenziale des Kantons im Bereich Erforschung der Geothermie.

 

FDP-Grossrat Peter Moser begründet den Vorstoss wie folgt: „Die Geothermie gilt als Energiequelle der Zukunft. Sie ist sauber, unerschöpflich und rund um die Uhr verfügbar. Deshalb wollen wir das Potenzial dieser Technologie genau kennen.“

 

Unter „Tiefer Geothermie“ wird Wärmegewinnung aus tiefen wasserführenden Schichten, sogenannten Aquiferen, verstanden. Letztere sind in der Schweiz im Mittel in Tiefen von 2-3 km anzutreffen. Im Gegensatz zur „sehr tiefen Geothermie“ in 4-5 km Tiefe, wie sie in Basel erprobt wurde, gilt die „tiefe Geothermie“ als technologisch ausgereift und risikofrei.